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XIV. Der Ritter wird weder durch Geburt, Ansehen, Rang oder Weihe zum Ritter, sondern durch sein Beispiel eines Lebens nach dem Gesetz Gottes und den obigen Regeln.  Die Ritterweihe ist die äußere Anerkennung durch eine christliche Gemeinschaft.

   

Rittertum kann sich auf verschiedene Art und Weise organisieren z.B. in Orden, Bruderschaften, Bünde - es gründet aber immer im Einzelnen, und dessen individueller ritterlicher Lebensgestaltung. Rittertum entstand als freies, an ethische Bedingungen geknüpftes Kriegertum. Es drückte sich als freie, nur an Gott gebundene Ritterschaft aus, die aus ihren Reihen den Besten, Vornehmsten, Tugenhaftesten, Leistungsstärksten und Heilbringenden zur Anleitung beruft. So wird unter priesterlicher Lenkung durch die Ritterschaft aus ihrer Mitte der König gewählt, dessen Amt nicht erblich ist. Niemals dulden sie Unwürdige in Rang und Stellung, sondern sorgen dafür, dass der Fähigste und Überlegenste die höchste Stellung unter ihnen innehat. Somit ergibt sich unter den Rittern eine Form aristokratischer Auslese, die für das Heil des Ganzen notwendig ist. Doch begründen solche Ränge keinerlei sklavische Gehorsamspflicht. Auf solche wird nur dort Wert gelegt, wo keine natürliche Überlegenheit sondern nur eine Anmaßung auf Führerschaft besteht. Das Grundprinzip des Rittertums ist der freie Wille der einzelnen Ritter, der sich für gemeinsame Ziele mit anderen verbündet. In Orden und ähnlichen Gemeinschaften verzichtet der Ritter zugunsten der Ordensregel auf Teilbereiche seines freien Willens aus seinem feien Willen heraus. Trotzdem bleibt Freiheit der Leitstern des Ritters.

Die Ritterschaft ist eine dritte Stufe des religiösen Weges. Die erste Stufe ist die Umkehr zu Gott, die zweite Stufe ist die Gottweihe. Diese Stufen durchläuft ein Mensch ehe er die innere Berufung zum Rittertum erfüllen kann. Gemäß den hier gegebenen Regeln beginnt der werdene Ritter sein Leben bewusst zu einer heroischen Biographie umzugestalten. Er strebt selbstlos ein beispielhaftes Leben als ein Gesamtkunstwerk an, dass in anderen Menschen heroische Impulse und Begeisterung weckt. Insbesondere die Art und Weise zu sterben wählt er so, dass er seinen Brüdern die Angst vor dem Tod nimmt, und ihre innersten Eide weiht.

Der alte Ritus der Ritterweihe ist an sich nicht nötig. Er kann von einem Priester als geistige Weihe oder von einem geweihten Ritter als weltliche Weihe durchgeführt werden. Doch entscheidend ist das innere Opfer das der Ritter gegenüber Gott bringt, in dem er nur noch nach Gottes Ratschluß handelt. Ein Ritus ist ein schöner Teil des Gesamtkunstwerkes der Biographie.



Kampf ums Dasein / Franz Liszt
 
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