| |  | Die Mitgliedschaft beruht bei den meisten christlichen Kirchen auf der Annahme eines gemeinsamen Glaubens. Oft besteht eine tiefe Kluft zwischen dem wirklichen Glauben eines denkenden Menschen und dem offiziellen Bekenntnis, das von ihm verlangt wird. Ein solcher innerer |  |
|  | Widerspruch führt zu unterdrücktem Zweifel oder zur Unaufrichtigkeit und hemmt den freien Gebrauch der Vernunft.
Die Liberalkatholische Kirche gewährt ihren Mitgliedern |  |
|  | Freiheit in der Auslegung der Glaubensbekenntnisse, der Schriften und der Tradition sowie der Liturgie und der Zusammenfassung der Lehre. Sie verlangt nur, daß Verschiedenheiten in der Auslegung höflich ausgedrückt werden. Sie nimmt diesen Standpunkt nicht aus Gleich- |  |
|  | gültigkeit der Wahrheit gegenüber ein, sondern weil sie der Ansicht ist, daß der Glaube das Ergebnis eigenem Studiums oder der Intuition sein sollte. Eine Wahrheit ist für einen Menschen keine Wahrheit, noch etwa eine Offenbarung, solange er sie nicht selbst als wahr erkennt. |  |
|  | In dem Maße, wie ein Mensch in das geistige Leben hineinwächst, wird er auch in das Erfassen der Wahrheit hineinwachsen; kein bloßes Lippenbekenntnis, keine ober- flächliche Zustimmung des Verstandes kann dieses Wachstum ersetzen. Christus wollte gewiß, daß Seine |  |
|  | Religion eine Religion der Liebe und der Freiheit sei, die den Menschen auf ihren vielen verschiedenen Entwick- lungsstufen auf dem Pfad des spirituellen Wachstums helfen sollte; er wollte nicht, daß sie in Gottes Namen Formeln diktiere, deren Annahme eine Bedingung für die |  |
|  | Erlösung sei. Die Unfähigkeit, eine Wahrheit zu erkennen, bewirkt lediglich den Verlust der Hilfe, die eine solche Erkenntnis bringen würde.Die Liberalkatholische Kirche ist daher der Ansicht, daß sie in Übereinstimmung mit dem Geiste ihres Meisters handelt, wenn sie jene in ihren |  |
|  | Reihen willkommen heißt, die nach der Wahrheit suchen. Während sie ihren Mitgliedern gewisse Darlegungen ihrer Grundsätze bietet, fordert sie von ihnen keine Annahme irgendwelcher vorgeschriebener Glaubenssätze. Sie verlangt von ihnen als Arbeitsgrundlage der Gemeinschaft |  |
|  | kein Bekenntnis gemeinsamen Glaubens, sondern nur die Bereitwilligkeit, Gott durch ein gemeinsames Ritual zu verehren. Sie versucht, ihnen zu helfen, selbst die Wahr- heit zu finden, indem sie ihnen Gelegenheit zu geistigem Wachstum bietet und ihnen die alte Wissenschaft von |  |
|  | der Entfaltung der göttlichen Möglichkeiten in jedem Menschen erklärt, Sie erwartet von ihren Mitgliedern Auf- richtigkeit, Reinheit der Absichten, Duldsamkeit, Unvor- eingenommenheit, Höflichkeit im Ausdruck, Bereitwilligkeit zu arbeiten und ein beständiges Streben nach hohen Idealen. |  |